Kannst du es dir vorstellen?

Als ich im Sommer 2013 endlich erfolgreich 15kg abnahm, hatte ich schon so ziemlich alles ausprobiert. Crash-Diäten, Ernährungsumstellungen, exzessive Sportprogramme, Eiweiß- und Obsttage, abends keine Kohlenhydrate usw.

Einige davon waren natürlich von vorneherein zum Scheitern verurteilt – Eiweißtage?! Danach konnte ich echt lange keine Eier mehr sehen. Aber andere waren durchaus vernünftig und hätten schon erfolgreich sein können. Beispielsweise die Ernährungsumstellung.

Warum hat es also nie geklappt? Was war diesmal anders?

Ich glaube der Hauptaspekt war, dass ich es mir zum ersten Mal wirklich vorstellen konnte dauerhaft schlank zu sein. Davor wusste ich zwar, dass ich mich mit viel Anstrengung kurzfristig herunter hungern konnte, aber ich hab nie wirklich geglaubt, dass ich es langfristig halten kann. In meinem Kopf war ich mopsig. Immer. Auch wenn ich es kurzfristig geschafft hatte, habe ich mich nie als schlanken Menschen wahrgenommen, sondern als mopsigen, der gerade mal zufällig kurz schlank ist. Wie ein Gummiband, dass man zwar dehnen kann, doch das immer wieder in seine Ausgangsform zurückploppt, sobald man es loslässt – seine Anstrengungen wieder sein lässt und sich entspannt.

Heute weiß ich, dass es genau anders herum ist. Unsere Ausgangsform ist Normalgewicht.

Wie könnte es auch anders sein? Die Natur strebt, wenn sie in Ruhe gelassen wird, immer zu dem was am besten für sie ist. Warum sollte der menschliche Körper da anders sein? Alles in dir ist darauf ausgelegt dich am Leben zu halten.

Lass also alles fallen was dich von deiner Ausgangsform trennt. Die Vorstellung wie du auszusehen hast, um glücklich zu sein. Deine ängstlichen Gedanken es nie zu schaffen. Die Versuche die Leere in dir mit Essen zu füllen. Deine „So bin ich eben“ Gedanken und lass die Natur ihre Magie vollbringen und dich in deine Ausgangsform zurückploppen.

Deine Gedanken und Verhaltensmuster sind sozusagen die Apps, die du dir über die Jahre heruntergeladen hast. Aber egal wie voll dein Handy ist, die Standardeinstellung ist noch die gleiche. Auch 40 Jahre schlechte Ernährung und negatives Selbstbild können dem nichts anhaben.

Gewöhn dich also lieber schon mal an den Gedanken schlank zu sein 🙂

Was tun wenn der Appetit kommt?

Jeder der gerade aktiv versucht abzunehmen oder generell auf seine Figur achtet kennt sie: Die Appetitattacken, die einen ungebeten überrollen und nicht mehr gehen wollen. Wie kann man mit diesen Attacken umgehen?

Der erste Schritt muss es sein zu hinterfragen, ob der ungebetene Gast nicht vielleicht doch echter Hunger ist. Dann auf jeden Fall zuschlagen. Doch was wenn man sich gerade satt gegessen hat und trotzdem vom Schokomuffin träumt? Dieser gesteigerte Appetit (mehr als nur „och, so bisschen Schokolade wär jetzt ganz nett“) kann viele Ursachen haben. Es könnte sein, dass der Körper in einer Phase in der er zu wenig zu essen bekommen hat (Diät oder einseitige Ernährung) gelitten hat, bis man einen „Rückfall“ hatte und wieder normal gegessen hat, was natürlich ein gutes Gefühl ausgelöst hat, was das Gehirn unweigerlich mit dem Aufnehmen von Nahrung verknüpft hat.

Vielleicht ist es aber auch tiefer in der Kindheit verwurzelt und du hattest eine Mutter, die Haferkekse und Karotten als Süßigkeit anerkannt hat (Jap). Oder du hast es dir zur Gewohnheit gemacht, dich in stressigen Situationen mit Essen zu belohnen. Welche Ursache es auch haben mag, in deinem Gehirn ist Essen mit einem positiven Gefühl oder zumindest mit der Erwartung auf ein positives Gefühl verbunden.

Das heißt, dass was da so laut nach einem Schokomuffin krächzt, bist nicht du, sondern dein Gehirn. Es gibt also keinen Grund, dich dafür zu verurteilen, für schwach zu halten oder aufzugeben. Es ist eine ganz normale Reaktion deines Gehirns. So wie dein Körper wie ein Wunderwerk auf alles reagiert was du machst, um dir zu helfen und dein Überleben zu sichern. Wenn du Gitarre spielst, entwickelt er Hornhaut, gehst du in die Sonne, wird deine Haut braun, um dich vor Verbrennungen zu schützen. Das nehmen wir ja auch nicht persönlich. Dieser Drang sagt nichts über dich aus und du bist auch kein schwaches, disziplinloses Weichei (ist deine innere Stimme auch so fies wie meine?).

Warum Willensstärke der falsche Weg ist

Wenn ich beispielsweise meine Lieblingsserie schaue und extreme Lust bekommen meinen Ostereier Vorrat zu plündern, ist dieses Verlangen ziemlich stark. Wenn ich jetzt Willensstärke anwende, mache ich nichts anderes, als einen Gedanken (ich hätte jetzt verdammt große Lust auf ein Lindor-Ei) krampfhaft mit einem anderen zu ersetzen (Nein, du hast heute so schön gegessen, das hätte dann gar nichts gebracht). Dadurch gebe ich dem Ursprungsgedanken nur noch mehr Stärke und verstricke mich in eine endlose Diskussion mit mir selbst, aus der ich mal als Sieger, mal als Verlierer herausgehe. Und ich muss sie jedes Mal wieder führen, denn Willensstärke ist leider keine Aufgabe, die sich mit einem mal erledigt hat.

Stattdessen suche ich mir ein paar Eier aus, die ich über den Abend verteil essen werde (ok, in den ersten 5 Minuten) und genieße jeden Bissen. Danach ist die extreme Lust die ganze Packung zu leeren weg und ich musste mich nicht mit mir selber streiten (uff, kann ich zickig sein).

Du wirst merken, dass die Appetitattacken weniger werden und an Intensität verlieren, wenn du auf die Signale deines Körper hörst und dich ausgewogen ernährst und dir nichts verbietest. Du wirst immer noch Lust auf deine Lieblingsspeisen haben, aber es wird dir leichter fallen aufzuhören, sobald du satt bist. Hol dein Lieblingsessen von seinem Podest runter in dem du es dir immer wieder in kleinen Maßen gönnst. Für dauerhaften Erfolg darf man sich kein Lebensmittel komplett versagen, so gibst du ihm nur die Kontrolle. Hol sie dir zurück, sie gehört dir.

Was also tun, wenn der Appetit zuschlägt?

Schritt 1) Das Gefühl hinterfragen. Ist es Hunger? Dann etwas essen

Schritt 2) Sich klar machen, dass der Drang nach Essen nichts zu bedeuten hat. Irgendwann im Laufe unseres Lebens wurde Essen mehr Bedeutung gegeben, als ihm zusteht. Das heißt nicht, dass es so ist. Warte einfach ab und versuche an etwas anderes zu denken und schau was passiert

Schritt 3) Er ist immer noch da? Dann gönn dir das worauf du Lust hast in kleinen Mengen. Zähl die Portion extra ab und sag dir selbst bevor du anfängst zu essen, dass es nicht mehr davon geben wird.

Immer positiv denken? Och Nö!

Seit einiger Zeit gibt es diesen Denk-positiv-und-alles-wird-gut-Trend mit unzähligen Studien über den Zusammenhang zwischen positivem Denken und Gesundheit/ Zufriedenheit/ Selbstwertgefühl und so weiter.

Es klingt ja auch so schön verlockend und logisch. Manchmal klappt es ja auch ganz wunderbar. Wenn man mit der besten Freundin in der Sonne sitzt, das erste Eis des Jahres isst und alles rosarot aussieht. Aber was ist mit den anderen Momenten? Den dunkleren Momenten? Wenn positives Denken gesund und glücklich macht, bedeutet das dann im Umkehrschluss, dass negatives Denken krank und unglücklich macht?

Und wie soll man dann mit diesen negativen Gedanken umgehen? Oft wird einem empfohlen die negativen Gedanken einfach durch positive zu ersetzen. Aber das fühlt sich irgendwie an, wie sich selbst was in die Tasche zu lügen. Was also dann?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich erst mal bewusst machen was Gedanken überhaupt sind.

Sie kommen einfach – wer weiß woher – in einem andauernden Strom aus Gedanken, die sich gegenseitig ersetzten. Und meistens denken wir uns unsere Gedanken gar nicht selber aus. Sie sind einfach plötzlich da. Erst wenn wir einen bestimmten Gedanken aus diesem Gedankenstrom herausnehmen, ihn festhalten und immer wieder durch wälzen hat er plötzlich Gewicht und er beeinflusst wie wir die Realität wahrnehmen.

Jetzt wirst du vielleicht sagen „Aber ich kann doch steuern woran ich denke, oder?“ Ja. Für kurze Zeit. So wie du für kurze Zeit deinen Atem steuern kannst. Du kannst bewusst langsam ein- und ausatmen, ganz schnell atmen oder sogar ganz die Luft anhalten. Aber was passiert, sobald du diese Steuerung stoppst? Dein Körper atmet weiter, in seinem eigenen Rhythmus. Ohne, dass du deinen Beitrag dazu leisten musst.

Und dasselbe passiert mit Gedanken. Nur weil du gerade nicht bewusst über etwas nachdenkst, hören deine Gedanken ja nicht auf. Sie kommen in einem immer währenden Strom und wenn ein Gedanke weg ist, wird er sofort durch einen anderen ersetzt.

Warum also solltest du einen davon ernst, wichtig oder persönlich nehmen? Im Grunde haben sie keine Bedeutung – bis wir sie ihnen geben und einen einzigen Gedanken aus diesem Strom ziehen und immer weiter spinnen.

Ich habe hundertmal am Tagen irgendwelche Gedanken bei denen ich mir denke: „Hoppala, wo kommst du denn her?“. Aber ich sehe sie als das was sie sind: Gedanken, die nichts zu bedeuten haben und schwupps kommt der nächste Gedanke. Das klappt natürlich nicht immer. Manchmal ziehe ich einen Gedanken aus dem Strom und bausche ihn immer weiter auf bis aus „Mein Chef war heute so komisch zu mir“, „ich werde bald auf der Straße leben“ geworden ist. Aber es hilft doch trotzdem immer wieder zu sehen, dass ich gerade keine realistische Einschätzung der Realität betrachte, sondern einfach nur einen klein wenig zu ernst genommen Gedanken.

Kein Mensch hat nur positive Gedanken. Wie auch? Bei den 3 Billionen (ich hab nachgezählt) Gedanken die man so am Tag hat, geht es gar nicht anders.

Also: wenn du gerade ganz viele tolle Gedanken hast: wunderbar, genieße sie. Aber wenn du gerade an irgendwas Doofes denkst: Auch nicht schlimm. Irgendwann wird der Gedanke unausweichlich durch einen anderen ersetzt. Ich garantiere es.

Selbstsabotage die keine ist

emotionales Essen ist ein viel diskutiertes, doch oft missverstandenes Thema. Es fallen Sätze wie „Er ist doch selbst Schuld. Warum tut er sich das an? Er könnte doch einfach aufhören!“ Und ich hab mich das auch oft gefragt: Warum esse ich bis mir schlecht ist und ich mich hundeelend fühle? Geschmeckt hat es schon nach dem dritten Schokoriegel nicht mehr. Es fühlt sich an wie Selbstsabotage, sich selbst fertig machen. Doch das ist es nicht. Es ist die beste Methode, die einem in dem Moment zur Verfügung steht, sich wieder besser zu fühlen. Hätte man eine andere, würde man sie benutzen. Man fühlt sich schlecht, einsam, wütend, missverstanden, hoffnungslos oder leer – welches Gefühl es auch sein mag – und möchte zurück zu einem guten Gefühl, zurück zu Wohlbefinden. Meine Methode war zu viel Essen, zu viel fernsehn und zu viel Kaffee. Andere sind: zu viel shoppen, Alkohol, Drogen, Sex oder Sport. Man versucht einfach nur sich besser zu fühlen. Das klingt für mich nicht nach Selbstsabotage, sondern ziemlich verständlich. Das einzige was jetzt noch nicht stimmt ist die Methode. Beziehungsweise EINE Methode. Denn man braucht überhaupt keine. Das gute Gefühl, dass jeder von uns sucht, ist da. Immer. Unter all den Gedanken und Emotionen. Wir spüren es nur manchmal nicht. So wie wir manchmal die Sonne nicht sehen. Trotzdem ist sie über den Wolken immer da. Und genauso ist es auch mit unserem Wohlbefinden. Wir müssen nur warten bis die Gedankenwolken sich verzogen haben.

Ignorier den inneren Monolog

Was würde wohl passieren, wenn ein Baby darüber nachdenken würde, Laufen zu lernen? Wenn man die Natur des Menschen berücksichtigt, würde es wohl irgendwie so klingen: „Was ist, wenn ich nach dem ersten Schritt sofort wieder hinfalle? Und was, wenn Papa mich sieht und auslacht? Er wird es bestimmt allen in der Krabbelgruppe erzählen und dann kann ich mich da nie wieder blicken lassen.“

Das Baby würde es wohl nie probieren und müsste seinen ersten Schultag krabbelnd erleben.

Das ist natürlich total absurd. Aber unser eigener innerer Monolog ist oft genauso absurd und trotzdem nehmen wir ihn ernst und schreiben unseren Gedanken Bedeutung zu – geben ihnen Gewicht. „Was wenn ich es wieder nicht schaffe abzunehmen und sogar weiter zunehme? Wenn ich ins Fitnessstudio gehe, lachen mich doch alle aus.“ usw.

Ignorier diese Stimme. Warte nicht bis sie verschwindet, denn das wird sie nicht. Sie gehört zum menschlichen Wesen nun mal einfach dazu.